Die neue Orgel für den Kleinen Michel


Der Kleine Michel bekommt bis Herbst 2018 eine Neue Orgel

Wenn Musik eine Kirche erfüllt, ist sie am ganzen Körper spürbar.

Wie schön ist es, wenn begeisterter Gesang von einer Welle aus Klang getragen wird – voll und kräftig, oder still und intim. Eine Orgel kann das, deshalb gehört sie für uns dazu.

Nachhaltigkeit. Die Nachkriegsorgel von 1957 blieb trotz ihrer Größe ein Provisorium. Auf die Schnelle geplant, genügte sie den Anforderungen nicht, verfiel und wurde 2002 stillgelegt.

Eine dann erworbene Chororgel von Mathäus Mauracher (1890) vermittelte der Gemeinde mit ihrem mystisch-warmen Klang neue Freude am Singen und Hören. Orgelbauer Thomas Gaida formt jetzt aus erhaltenswertem Altbestand beider Orgeln und weiterem historischen Material ein neues Ganzes. Durch diese Nachhaltigkeit und den Einsatz moderner Steuerungstechnik wird diese Orgel auch deutlich preisgünstiger als gleichwertige Neubauten.

Innovation. Ein zentraler Bestandteil der Orgel ist der Kirchenraum.
Jede der über 5.500 Pfeifen bringt die Luft zum Schwingen – ein klangliches Erlebnis in 3D! Die technisch innovative Bauweise der Gaida-Orgeln öffnet Brücken zu moderner und zu elektronischer Musik. Wir wollen einen heiligen Raum musikalisch mit Leben erfüllen. Die französische Architektur dieser Kirche ist in Hamburg einzigartig und bekommt nun einen ebenbürtigen Klang.

Auftrag. Wir freuen uns über eine neue Orgel. Zugleich verstehen wir dieses Geschenk als Auftrag: Die gelebte Erfahrung der kulturellen Vielfalt der Katholiken am Kleinen Michel wollen wir als Anstoß sehen für das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in dieser Stadt, in Toleranz, Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Gerade auch Musik und Kultur können dazu einen Beitrag leisten.

Gemeinde sucht Orgel

Das ‚Mendelssohn-Friedens-Projekt am kleinen Michel‘

Die Hamburger Neustadt ist ein Ort, der in besonderer Weise mit dem Streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz verbunden ist. Viele hatten hier eine Heimat vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges gefunden. Die Kleine Michaeliskirche wurde 1811 die erste katholische Kirche im lutherischen Hamburg. Sie konnte mit dem benachbarten Großen Michel zum Ort der Freundschaft von Christen verschiedener Konfessionen werden. Sie war ein Teil der zunehmenden Toleranz, die 1818 wenige Meter weiter an der Steinstraße den Bau der ersten jüdischen Synagoge ermöglichte, übrigens erstmalig mit einer Orgel.

Nach der völligen Zerstörung des Kleinen Michel im Zweiten Weltkrieg waren es Franzosen, die die neue Kirche finanziert und in der Tradition französischer Architektur gestaltet haben – ein über Hamburg hinaus weisendes Zeichen für den Frieden. Bis heute ist der Kleine Michel ein Ort, der in Hamburg Menschen vieler Kulturen aus allen Teilen Europas, von den Philippinen und aus Westafrika verbindet. Frieden kann nur aus gelebter Toleranz und im Bemühen um Gerechtigkeit erwachsen.

Moses Mendelssohn - das Portait ist an der Stelle des Geburtshauses von Fanny & FelixVier katholische Einrichtungen rund um den Kleinen Michel haben sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammen getan. Es ist inspiriert von dem großen Aufklärer Moses Mendelssohn (1729–1786) und seinen Nachfahren.

Er ist vielfach mit Hamburg verbunden. Seine Persönlichkeit ist mit prägend gewesen für die Figur von ‚Nathan dem Weisen‘; Lessings großes, bis heute aktuelles kulturelles Erbe gegen Intoleranz, das er gerade auch im Hinblick auf damalige Hamburger Verhältnisse geschrieben hat. Moses‘ berühmte Enkel Felix und Fanny wurden in unmittelbarer Nachbarschaft des Kleinen Michel geboren. Zwei Generationen später begründete Albrecht Mendelssohn Bartholdy (1874–1936) hier in Hamburg die wissenschaftliche Friedensforschung in Deutschland.

Der Katholische Schulverband und das Kulturforum21 sowie die Katholische Akademie, das Institut für Theologie und Frieden und die Gemeinden des Kleinen Michel setzen sich das Ziel, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Tradition zusammenzuführen, im Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz. Die neue Orgel soll ein erlebbares „Instrument“ für diese Anliegen werden: ein Instrument, das Menschen berührt und verbindet.

Dank an unsere Freunde

Der Wunsch nach einer neuen Orgel für den Kleinen Michel existiert schon sehr lange. Seit 2002 steht der Orgelbau- und Förderverein für dieses Anliegen. Die Mauracher-Orgel, deren Klangteile in die neue Orgel mit eingehen, wurde 2007 ebenso aus Spenden finanziert wie die ersten Schritte hin zu der neuen Orgel (unter anderem der Abbau und die Einlagerung der Teile der beiden bisherigen Orgeln). Wir danken allen, die dazu mit Spenden und großem Engagement beigetragen haben.
Die Anschaffung der neuen Orgel und die notwendigen baulichen Maßnahmen werden nun durch die großzügige Spende von Frau Ute Louis in Gedenken an ihren verstorbenen Mann Detlev Louis ermöglicht.

Gerne informieren wir Sie mit einem eMail-Newsletter oder Rundbriefen.
Bitte senden Sie uns eine Mail an orgel@kleiner-michel.de
oder teilen Sie uns Ihre Postadresse mit.

 


Detlev Bruno Maximilian Louis
(23. Sept 1919 – 13. Okt 2012)

Der Hanseat Detlev Louis, Diplom- Ingenieur für Flugzeug- und Motorenbau, hat als Rennfahrer in der 30er Jahren begonnen und aus seiner Leidenschaft für Motorräder Europas größten Motorradbekleidungs- und -zubehörhändler geschaffen.
Er prägte die Motorradbranche in Europa und weltweit kein anderer. Detlev Louis war als risikobereit, mutig, zielorientiert, abwägend sowie innovativ und humorvoll bekannt.

Er war ein verlässlicher und hilfsbereiter Gesprächspartner, ein Stifter und Unterstützer. „Die Gaben, die er in seinem Leben empfing, hat er bei der Gestaltung des Gemeinwesens mit anderen geteilt“, „Es ging ihm immer um die Würde des Menschen“. Detlev Louis und seine Frau hatten eine ganz besondere und persönliche Bindung zum Kleinen Michel..

Die Orgel ist bezahlt – nun brauchen wir Ihre Unterstützung!

Die Orgel wird uns großartige Möglichkeiten eröffnen. Um diese zu nutzen, brauchen wir Ihre Unterstützung:
1 Wir wollen die Menschen in unserer Nachbarschaft und der Stadt für das Friedensprojekt gewinnen. Mit einer geplanten Stiftung ‚Mendelssohn-Friedens-Projekt am Kleinen Michel‘ suchen wir Freunde und Förderer für dieses Vorhaben.
2 Mit der neuen Orgel werden nicht nur musikalisch gestaltete Gottesdienste sowie Orgelkonzerte, sondern vielfältigste Kultur- und Musikveranstaltungen möglich. Dies soll bereits parallel zum Orgelbau 2017 starten. Ein solches Programm braucht Freunde und Förderer.
3 Für die Orgel ergänzende bauliche und technische Maßnahmen und Installationen im Kirchenraum werden bis 2018 etwa 50.000 € benötigt. Zudem sollen Schulungsprogramme angeboten werden, um die Möglichkeiten der Orgel jungen Musikern zu erschließen. Auch dies braucht Freunde und Förderer.

Wie geht es jetzt weiter?

Vor uns liegt nun der Orgelbau, der bis Herbst 2018 geplant ist. Zugleich wollen wir die Gegebenheiten in der Kirche verbessern, u.a. soll die Beschallungsanlage auf die innovativen Besonderheiten z.B. durch zusätzliche Lautsprecher und eine Erweiterung der Software vorbereitet werden.

Wenn die Orgel in Gottesdienst und Konzert wieder voll erklingt, soll im Kleinen Michel sichtbar werden, wofür das neue Instrument auch stehen wird: Die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit und der Toleranz. Eine multimediale Installation im Ausstellungsbereich der Kirche soll über die Orgel und das ‚Mendelssohn-Friedens-Projekt‘ informieren.
Allein für diese absehbaren Ergänzungen sind etwa 50.000 € erforderlich, die durch Spenden aufgebracht werden müssen.

Orgelbau- und Förderverein

Auch künftig wird sich unser Orgelbauverein für den Unterhalt der Orgel und für Konzerte im Kleinen Michel engagieren.
-> weitere Informationen

Spenden erbitten wir auf das Konto »Kath. Kirchengemeinde St. Ansgar«
Hamburger Sparkasse (BLZ 200 505 50)
Nr. 1226 130 746 IBAN: DE71 2005 0550 1226 1307 46

Kath. Kirchengemeinde ‚Kleiner Michel‘
Michaelisstr. 5 | 20459 Hamburg | Tel. 040 / 37 12 33
www.kleiner-michel.de - orgel@kleiner-michel.de

Die neue Orgel

Der größte Teil der Orgel wird sichtbar auf der Empore aufgestellt, ein großer unsichtbarer Teil in der hohen Kammer links daneben. Ergänzt wird das Klangensemble durch Elemente in zwei vorderen Nischen des Altarumgangs. Sie dienen der Chorbegleitung und der Erzeugung dreidimensionaler Klänge.

Die neue Orgel eröffnet Möglichkeiten, die über einen traditionellen Orgelklang hinaus weisen. Einige Register werden nach Ernst Zacharias (*1924) neu gebaut, der in seiner aktiven Zeit bei der Firma Hohner zahlreiche Patente entwickelt hat, die heute weltweit von prominenten Künstlern genutzt werden. Bemerkenswert sind auch vielfältige Percussions-Register (Celesta, Marimba, Gong usw.).

Die Orgel kann von zwei baugleichen elektrischen Spieltischen gesteuert werden. Der eine steht auf der Empore, der andere hinter dem Bogen im Altarumgang und kann für besondere Liturgien und Konzerte bewegt und sogar in die Kirchenmitte gestellt werden Neben der Nutzung der Pfeifenorgel ist der gesamte Spieltisch auch geeignet, elektronische Zusatzkomponenten zur virtuellen Klanggestaltung
anzusteuern.

Am 19. Juni 2016 wurde das Konzept der neuen Orgel in einer Infoverstaltung im Beisein von Thomas Gaida und Ernst Zacharias vorgestellt. Ein Mitschnitt auf YouTube gibt in 30 Minuten einen Ausblick auf das, was wir erwarten dürfen.

Was die Neue Orgel besonders macht

Nachhaltiger Orgelbau

  • Wiederverwertung vorhandenen Materials
  • Weiterentwicklung der elektrischen Kegellade
  • Beschränkung auf ein Steuerungsprinzip

Zeitgenössische Technik

  • CPU-Steuerung über Mikroprozessoren
  • Fliegende Klaviaturzuordnung in drei Oktavauszügen
  • Auxiliarreihen und Transposerkoppeln
  • Midisteuerung mehrkanaliger externer Multi-Sounds über Line-Arrays

Raumklang

  • 11 Ladeneinheiten an 7 Aufstellungsorten
  • Unterschiedliche Winddrücke zur Verstärkung der Tiefenwirkung
  • Differenzierte Schwellsysteme (Tür-/Jalousie-/Dach- und Windschweller)
  • Die Orgel wird im gesamten Raum differenziert körperlich wahrgenommen.

Crossover

  • Akustisch erzeugte Percussions- und Schlagwerkklänge
  • Zumischung vorbereiteter Klangflächen
  • Live-Erzeugung von Loops
  • Analoge und digitale Klangbearbeitung.

Disposition Hauptorgel

Hauptwerk

  • Prinzipal 8
  • Holzflöte 8
  • Dolkan 8
  • Oktave 4
  • Gemshorn 4
  • Quinte 2 2/3
  • Superoktave 2
  • Mixtura maior III
  • Mixtura minor II
  • Fagott 16+8
  • Tremulant

Positiv

  • Gedackt 8
  • Quintadena 8
  • Blockflöte 4
  • Quinte 2 2/3
  • Waldflöte 2
  • Terz 1 3/5
  • Rohrschalmey 8
  • Tremulant

Bombardwerk (schwellbar)

  • Bordun 16+8
  • Hornprinzipal 8
  • Harmonieflöte 8
  • Fugara 4
  • Rohrflöte 4
  • Nasat 2 2/3
  • Flöte 2
  • Terz 1 3/5
  • Mixtur IV
  • Tremulant

Echowerk (schwellbar)

  • Quintadena 16
  • Viola 8
  • Aeoline 8
  • Vox angelica 8
  • Fugara 4
  • Harmonia aetherea III-IV
  • Vox humana 16+8+4
  • Flügeltremulant

Auxiliarreihen

  • Großprinzipal 8+4
  • Gambe 16 + 8 + 4
  • Vox coelestis 8 + 4
  • Tibia 16 + 8 + 4
  • Konzertflöte 8 + 4
  • Gedackt 16 + 8 + 4
  • Unda maris 8 + 4
  • Weitquinte 5 1/3 + 2 2/3 + 1 1/3
  • Terz 6 2/5 + 3 1/5
  • Mixtur IV
  • Polnische Zimbel V
  • Tuba 32 + 16 + 8 + 4
  • Bombarde 16+8+4
  • Saxophon 16 + 8 + 4
  • Oboe 8+4
  • Clarinette 8 + 4

Percussion

  • Marimba 16 + 8 + 4
  • Celesta
  • Woodblock
  • Trommel
  • Louisenhorn
  • Glockenschlag
  • Gong

Pedal

  • Bassus magnus 32 (Schaltung)
  • Open Wood 16
  • Gambe 16 + 8 + 4 + 2 + 1
  • Gedackt 16 + 8 + 4 + 2 + 1
  • Quinte 10 2/3 + 5 1/3 + 2 2/3 + 1 1/3 + 2/3
  • Großprinzipal 8 + 4 + 2
  • Tibia 8 + 4 + 2 + 1
  • Konzertflöte 8 + 4 + 2 + 1
  • Großterz 6 2/5 + 3 1/5 + 4/5
  • Mixtur 16 + 8 + 4
  • Tuba 32 + 16 + 8 + 4 + 2
  • Fagott 16 + 8 + 4 + 2
  • Bombarde 16 + 8 + 4 + 2
  • Saxophon (Z) 16 + 8 + 4 + 2
  • Clarinette (Z) 16 + 8 + 4 + 2
  • Oboe (Z) 8 + 4 + 2
  • Vox humana 16 + 8 + 4 + 2
  • Marimba 16 + 8 + 4
  • Celesta
  • Woodblock
  • Trommel

 

Disposition Chororgel

Prinzipalwerk

  • Prinzipal 8
  • Oktave 4
  • Mixtur IV

Schwellwerk

  • Philomela 8
  • Gedackt 8
  • Gemshorn 8
  • Salicional 8
  • Doppelflöte 4

Pedalwerk

  • Akustischer Bass 32 (Schaltung)
  • Subbass 16 + 8+4+2
  • Quintbass 5 1/3 (Schaltung)

Harmoniumlade 1

  • Harmonika 8
  • Basset 16

Harmoniumlade 2

  • Diapason 8 (Bass)
  • Flute 8 (Bass)
  • Viola 8 (Diskant)
  • Melodia 8 (Diskant)

Percussion

  • Glockenspiel

 

Aktuell: Neues vom Orgelbau

Oktober 2017

Nach weiteren Vorarbeiten und Planungen tut sich nun wieder etwas auf der Empore:
Die Windkanäle sind gelegt, an jeder Stelle der Hauptorgel können die zukünftigen Pfeifen nun Wind verschiedenen Drucks direkt aus dem Boden bekommen – eine geniale Entwicklung! Die Stufenanlage bis zur Brüstung ist neu aufgebaut, Steckdosen für Pultleuchten und elektronische Instrumente verlegt, Datenanschlüsse für die verschiedenen Spieltischpositionen vorgesehen.
In der Schwellkammer werden die Wände mit reflektierenden Platten ausgeschlagen und an der Rückwand der Empore haben bereits die ersten 24 „Bewohner“ ihren Platz gefunden: die tiefen Bassoktaven des hundertjährigen „Open Wood“ aus England in vornehmem Grau und des deutschen „Subbass“in warmem Holzton. Beide Reihen stehen schon auf ihren Kegelladen, die stehenden Stoßfänger garantieren eine gleichbleibende Windzuführung – das alles macht Lust auf mehr.
Nun warten wir auf die Lieferung der italienischen Schleudergebläse, während in der Werkstatt das Hauptwerk vormontiert und -intoniert wird. Ende November geht es weiter – danach erklingen dann auch die ersten Töne!
 

Februar 2017

Auf der Empore gehen die Arbeiten voran: Die Wand der zukünftigen Schwellkammer ist in der ganzen Höhe geöffnet, ausgebessert und hat einen neuen Anstrich, fehlende Kabel für Daten- und Audioleitungen sind verlegt.
Das Podest für die Hauptorgel wurde noch einmal überplant. Es wird nun 28 cm hoch, in seinem Inneren verbergen sich mehrere Kreisläufe Orgelwind. Richtung Emporenbrüstung wird eine gleichmäßige Stufeneinteilung mit Beleuchtung für ein angenehmes und stolperfreies Erreichen der Sitzplätze sorgen. Um die mittige Standardposition des Spieltisches herum bleibt genügend Raum für Chöre und Instrumentalisten, alternativ auch für Gottesdienstbesucher, die dann in Zukunft unmittelbarer ins liturgische Geschehen eingebunden sind als zuvor.
In der Werkstatt von Orgelbauer Gaida in Wemmetsweiler (Saarland) ist die Positivlade umgearbeitet und fertig bestückt. Nach einer kleinen Umbesetzung umfasst sie nun die Register Holzgedackt 8, Quintadena 8, Rohrflöte 4, Sesquialtera II und Waldflöte 2. Ein weiterer Pfeifenstock für eine Zungenstimme bleibt noch frei, hier möchten wir zunächst die Intonation der Haupt- und Schwellwerkszungen  im Kirchenraum abwarten, bevor wir uns endgültig für die Bauweise der ergänzenden Klangfarbe entscheiden.
Damit der erste LKW gut gefüllt ist und man sich in der Werkstatt wieder besser bewegen kann, stehen und liegen auch die tiefen Pedalregister bereit. Mit Rücksicht auf den Platzbedarf bei Gottesdiensten und Konzerten beginnen wir mit dieser Phase erst nach Ostern.
Ein spannendes Abenteuer ist auch die Planung der beiden Spieltische.  Über 800 Schalter und zwei Displays pro Spieltisch müssen untergebracht und ergonomisch angeordnet werden. Komplizierte Schaltvorgänge sollen einfach bedient werden können, an dieser Aufgabe arbeiten fünf Planer, die unterschiedliche Qualifikationen einbringen.
Bis zum Erklingen der ersten Pfeifen hat uns Ulrich Altmann, erster Vorsitzender des Orgelbau- und Fördervereins, seine private Digitalorgel zur Verfügung gestellt, damit nach den vielen Ausfällen des alten Instruments wenigstens die Finger der Organisten schon einmal warmlaufen können. An ihr werden dann auch die Veränderungen der Lautsprecheranlage in der Kirche getestet.

Bilder aus der Werkstatt

die neue Orgel für den Kleinen Michel - Bilder aus der Werkstatt Februar 2017 (c) Thomas Gaidadie neue Orgel für den Kleinen Michel - Bilder aus der Werkstatt Februar 2017 (c) Thomas Gaidadie neue Orgel für den Kleinen Michel - Bilder aus der Werkstatt Februar 2017 (c) Thomas Gaida

(links) Entkernte, aufgearbeitete Windlade von der Oberseite her fotografiert: Man sieht die offenen Registerkanzellen (Windkammern pro Pfeifenreihe), darin die Dichtungsringe für die Kegelventile. Nach Zusammenbau aller Teile wird die komplette Lade zunächst mit starkem Papier zugeleimt, bevor die Pfeifenstöcke aufgeschraubt werden.

(Mitte) Windlade von unten: Durch die Löcher in den Filzringen werden die Drahtstifte geführt, auf denen die Kegelventile befestigt sind.

(rechts) Windlade von unten: Die Kegelventile sind fertig montiert.Unter den mit Filz garnierten Holzzylinderchen werden später die Hubmagnete auf einer Leiste montiert,die die Ventile anheben.

November 2016

Seit Juni hat die aktive Arbeit an der Orgel begonnen. Viele Arbeiten sind im Hintergrund zu bewerkstelligen. So arbeiten Mitarbeiter in der Werkstatt von Thomas Gaida im Hintergrund an den knapp 2000 Kegelventilen, der Aufarbeitung der Windladen, dem Bestellen von Magneten, Schaltelementen und vielem mehr. Informatiker Gerd Rech bereitet die neue CPU vor, mit deren Hilfe das Gesamtwerk gesteuert wird – die vielen zusätzlichen Features müssen einzeln betrachtet und in den virtuellen Schaltplan eingepflegt werden, hier entsteht sozusagen das Hirn der Orgel.

Gemeinsam mit Architekt Klaus Dörnen wurde bereits die Schauseite der Hauptorgel entworfen, weitere vorbereitende Planungen betrafen das Design von Chororgel und Spieltischen. Hierzu wird ein zweitägiger Workshop in den kommenden Wochen alle technischen Details klären, die die Ergonomie des „Cockpits“, die optimale und anwendungsorientierte Anordnung aller Funktionen und Bedienelemente betreffen.

Tontechniker Matthias Gruber ist seit dieser Woche mit Plänen zur Überarbeitung der Beschallungsanlage in der Kirche und der Auswahl geeigneter Hard- und Software für die virtuellen Klangwelten der Orgel beschäftigt.

Von all diesen Dingen ist in der Kirche noch nicht viel zu sehen. Dies wird sich jedoch bald ändern: Auf der Empore entsteht ein fast 6m hoher Durchbruch zur ehemaligen Notenkammer, in der zwei Schwellwerke und die Rechnereinheit untergebracht sein werden. Im Anschluss beginnt der Neuaufbau des bislang noch provisorischen Fußbodens. Es entstehen Sitzplätze für Chöre und Gottesdienstbesucher, die Ebene, auf der später der zweite Spieltisch bewegt werden kann, das Sockelpodest der Orgel und die Kanalanlage für die Windversorgung. Mit Eintritt in diese Phase beginnt dann auch die großflächige Sperrung der Orgelempore, da dort dann kontinuierlich gearbeitet wird. Erst nach Fertigstellung des Gehäusesockels kann der Bereich von Fall zu Fall wieder freigegeben werden. Dafür bitten wir um Verständnis und Geduld.

Juni 2016

Am Sonntag, 19. Juni 2016, wurde das geplante Orgelbauprojekt den Gemeinden vom Kleinen Michel vorgestellt. Die Veranstaltung ist dokumentiert auf YouTube:

Die drei Vorgängerorgeln seit dem 19. JahrhundertOrgeln am kleinen Michel - ein Rückblick

Über die frühe Orgelgeschichte des Kleinen Michel ist wenig bekannt. Aus der „lutherischen“ Phase wissen wir z. Zt. nichts, aus der Jahrhundertwende um 1900 gibt es Fotos und Kirchenbucheinträge, die auf ein Instrument des Hamburger Orgelbauers Paul Rother hinweisen, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Nach dem schnellen Wiederaufbau der Kirche aus französischen Mitteln 1953-1957 waren die eigenen Mittel für die Ausstattung der Kirche begrenzt. Als dann doch noch Spenden für eine Orgel zusammenkamen, geschah der Bau unter so großem Druck, dass die beauftragte Firma Krell aus Duderstadt nur mit massivem Einsatz von Zulieferbetrieben pünktlich liefern konnte. Das Instrument erwies sich als unzufriedenstellend, weil konzeptionell nicht geschlossen; der dilettantische Umgang mit dem Instrument tat ein Übriges. Sachverständige empfahlen schon nach 15 Jahren den Abriss. Ein Gutachten von 1975 machte das alles deutlich: "So kann ich Ihnen nur dringend raten, außer den für die Erhaltung der Spielbarkeit des Instruments aufzuwendenden Mitteln, nichts mehr zu investieren. Das heißt praktisch, daß nur bei Störungen ein Orgelbauer bemüht werden sollte. Bis auf das Beistimmen der Zungenstimmen kann man infolge der starken Verschmutzung des Werkes nichts mehr am Pfeifewerk nachstimmen, ganz abgesehen von dem desolaten Zustand eines großen Teiles der Pfeifen durch unfachmännische und schlechte Behandlung." - Nach weiteren 30 Jahren war nur noch 1/6 der Pfeifenreihen nutzbar und es kam 2002 zur Stillegung.

Bereits zur Jahrtausendwende wurde ein Orgelbau- und Förderverein gebildet, der sich dem Ziel eines Orgelneubaus verschrieben hatte. Als Zwischenziel wurde 2007 eine historische Dorforgel der mit Anton Bruckner befreundeten Zillertaler Orgelbauerfamilie Mauracher erworben, deren Pfeifenmaterial das Klanggerüst der zukünftigen Chororgel bilden soll. Mangels eines konkreten ästhetischen Konzepts reichte das Spendenaufkommen nicht für die „große“ Lösung. Diese konnte erst dann in Angriff genommen werden, als der Kirchenraum durch die Sanierung 2012/2013 wieder an die ursprüngliche Konzeption des französischen Baumeisters Jean Charles Moreux herangeführt worden war. Jetzt erst konnte eine diesem herausragenden Raum optimal zugeordnete Orgel konzipiert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Gemeinde auf der Empore © Wolfram Heidenreich; sonst © Fotoprojekt der Klasse 6 der Sophie Barat Schule u. Ltg. v. André Lützen, in Kleiner Michel und FEG Holstenwall; Orgelentwurf © Klaus Dörnen, Architekt. Historische Bilder: © Kleiner Michel