| Zeugen des Glaubens |
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Die Lübecker Märtyrer
Text: Sebastian von Melle, 2010
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Zwei Priester der Gemeinde
Erzbischof Dr. Eduard Profittlich SJ + Pfarrer Dr. Dr. Bernhard Schwentner
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Zwei Frauen in Hamburg
Dr. Ruth Kantorowicz + Dr. Edith Stein
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Sonntag, 14.11.2010 18:00 Uhr

Der 10. November 1943
ist für die Christen in Norddeutschland
ein wichtiges Datum.
Vier Lübecker Geistliche
– die katholischen Kapläne Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek
und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink –
sind an diesem Tag gemeinsam für Christus gestorben
und haben ein leuchtendes Zeichen
der Standhaftigkeit und des Glaubens hinterlassen.
Das NS-Regime ließ sie 1942 verhaften
und am 23. Juni 1943 in einem Schauprozess wegen Wehrkraftzersetzung,
landesverräterischer Feindbegünstigung und Rundfunkverbrechen zum Tode verurteilen. Lübeck war die Stätte ihres gemeinsamen seelsorglichen Wirkens.
Im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis
wurden sie am 10. November
zwischen 18.20 und 18.30 Uhr enthauptet.

Im Abstand von jeweils drei Minuten floss ihr Blut ineinander
zum gemeinsamen Zeugnis für den einen Herrn Jesus Christus.
Das gemeinsame Blutzeugnis der vier Lübecker Märtyrer,
ihr Einsatz für Verfolgte des NS-Regimes und
ihre unbeirrte Treue zu Jesus Christus
in der dunkelsten Stunde der deutschen Geschichte ist wegweisend
für die Ökumene und die Wirkungsgeschichte des Christentums im Norden.
Hitler ließ sie ermorden, um die Kirchen an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen.
Weil prominente Vertreter wie Clemens August Graf von Galen,
der „Löwe von Münster“, als unantastbar galten,
mussten die vier Geistlichen ihr Leben hingeben.
18 meist junge Leute, die mit ihnen im Gefängnis saßen,
kamen wieder frei.
Karl Friedrich Stellbrink,
ein Patriot, der schließlich aber die militärische Niederlage Deutschlands wollte,
wurde als erster aller Beteiligten des Lübecker Christenprozesses festgenommen. 1894 in Münster geboren, hatte er schon am Ersten Weltkrieg teilgenommen und war verwundet worden. Nach dem Krieg wurde er Auslandspastor in Brasilien. Hier wurden seine vier Kinder geboren, hier entwickelte er auch eine große Sympathie für Hitler und die nationalsozialistische Bewegung. 1929 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück, nach fünf Jahren in Thüringen bekam er die Stelle der Lübecker Lutherkirche.
Stellbrink war Nationalist, er hoffte gleichermaßen auf eine christliche und nationale Erneuerung Deutschlands. Nach seiner Rückkehr trat er in die NSDAP ein. Die Ernüchterung kam spätestens 1936, als er aus der Partei ausgeschlossen wurde, weil er erkannt hatte, dass seine Ideale der Wahrheits- und Freiheitsliebe von den Nazis nicht geteilt wurden.
Bei Kriegsbeginn war Stellbrink offener Gegner des NS-Staates. Von den Anfangserfolgen ließ er sich nicht blenden, sondern war immer auf der Suche nach unzensierten Informationen. In Kaplan Prassek fand er einen jüngeren Gleichgesinnten. Sie fühlten sich nicht nur im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft verbunden; ihr verschiedener konfessioneller Hintergrund gab Stoff für viele Glaubensgespräche, auch während der Zeit im Gefängnis. Stellbrink war und blieb überzeugter Lutheraner, in seiner Kirche aber fühlte er sich als Außenseiter.
Eine Predigt am 29. März 1942 gab den Nazis den Anlass, Stellbrink zu beseitigen. Am Vorabend dieses Palmsonntags wurde Lübeck Ziel eines verheerenden Bombenangriffs. Der übernächtigte und aufgewühlte Geistliche predigte, Gott habe mit mächtiger Stimme geredet. Die Lübecker würden wieder beten lernen Das Wort vom Gottesgericht sprach sich in der Stadt herum. Die braune Landeskirche eröffnete deswegen ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Pastor. Wenige Tage später erschien die Gestapo und nahm Stellbrink in „Schutzhaft”. Im Gefängnis durfte er mehrmals Besuche seiner Familie empfangen, aber er war sich darüber im Klaren, dass der Prozess mit seiner Hinrichtung enden würde.
Den Rat eines Freundes, in den Verhören diplomatisch zu antworten,
wies er entschieden ab:
„Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit!”
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Johannes Prassek
gilt als Kopf der drei Lübecker Kapläne.
Er wurde 1911 in Hamburg geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Studium in Frankfurt, Münster und Osnabrück wurde Prassek 1937 zum Priester geweiht und kam zwei Jahre später an die Lübecker Herz-Jesu-Kirche. Seine hohe und hagere Gestalt, sein sonorer Bass und sein Humor beeindruckten die Gemeindemitglieder. Die Herzlichkeit, Weltzugewandtheit und gelegentliche Burschikosität verdeckten jedoch nie die Sorge um die Vertiefung christlicher Wahrheitserkenntnis. Prasseks Predigten zogen nicht nur Gläubige, sondern auch Gestapo-Spitzel an. Er ließ sich durch Warnungen von Freunden nicht beeindrucken und meinte nur, dass einer ja schließlich die Wahrheit sagen müsse.
Kaplan Prassek lernte Pastor Stellbrink im Sommer 1941 bei einer Beerdigung kennen. Sie kamen schnell ins Gespräch und bemerkten Gemeinsamkeiten. In ihrem Idealismus, in ihrer Unbeugsamkeit und auch in ihrem Temperament waren sie sich ähnlich. Zwischen beiden kam es zu einer freundschaftlichen Beziehung. Im Haus der katholischen Familie von de Berg tauschten sie sich über die NS-Verbrechen, den Fortgang des Krieges und die Kirchenpolitik des Regimes aus. Sie gaben sich Hinweise auf die Frequenzen „feindlicher“ Rundfunksender und verbreiteten Flugschriften, darunter die Predigten des Bischofs von Münster gegen die Euthanasie, also den Massenmord an körperlich und geistig Kranken.
In Prasseks Gesprächskreisen wurde offen über die NS-Ideologie gesprochen. Er hatte auch etwas Polnisch gelernt, um den Zwangsarbeitern heimlich Beistand leisten und ihnen die Sakramente spenden zu können. Unterdessen hatte sich bei ihm ein Spitzel eingeschlichen, der vorgab, sich dem Glauben zuwenden zu wollen. In seiner spontanen Art vertraute Prassek ihm seine Regimekritik an. Doch ließ die Gestapo ihn vorerst an der langen Leine laufen. Zwei Wochen vor der Verhaftung wurde ihm sogar wegen seines Einsatzes während der Lübecker Bombennacht das Luftschutz-Ehrenabzeichen verliehen.
Als Prassek am 18. Mai 1942 abgeholt wurde, war dies für ihn nicht überraschend. Er wurde in das Marstall-Gefängnis gebracht, wo er unter Hunger und Kälte, Zweifeln und Einsamkeit litt. Während der Haft streute die Gestapo Gerüchte über seinen Lebenswandel. Der Gefangene erhielt gefälschte Nachrichten, wonach der Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, ihn fallengelassen habe.
Nach dem Todesurteil 1943 schrieb Prassek
in sein Neues Testament:
„Sit nomen Domini benedictum (der Name des Herrn sei gepriesen) -
Heute wurde ich zum Tode verurteilt“.
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Hermann Lange
wurde 1912 im ostfriesischen Leer geboren. Im Kreise einer großen Familie – er hatte vier Geschwister – wuchs er in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war Lehrer, sein Onkel Domdechant in Osnabrück. 1938 weihte ihn Bischof Wilhelm Berning zum Priester, bereits ein Jahr später kam er nach Lübeck. Lange war ein nicht nur in theologischen Fragen belesener und intellektueller Mensch. Seine sorgfältig vorbereiteten Predigten setzten Maßstäbe. Zudem galt der zwar entschieden, aber im Ton freundlich und vornehm auftretende Priester als menschlich vollkommen integer.
Seine Sensibilität, seine Mitmenschlichkeit und seine theologische wie auch humanistische Ausbildung brachten Lange von Anfang an auf Abstand zum Nationalsozialismus. Er war sogar davon überzeugt, dass ein Christ auf deutscher Seite am Krieg eigentlich gar nicht teilnehmen dürfe. Intensiv beteiligte er sich an der Verbreitung regimekritischer Schriften. Nach der Bombardierung Lübecks rettete er unter Einsatz seines eigenen Lebens in Gefahr geratene Menschen.
Schon 1941 war seine Wohnung im Pfarrhaus durchsucht worden. Erstaunlicherweise hatten die Fahnder dort nicht den Koffer mit vervielfältigten Predigten des Bischofs von Galen gefunden. Während der Untersuchungshaft teilte Lange seine Zelle mit dem evangelischen Mitbruder Stellbrink. Nach eigener Auskunft lebten sie tatsächlich wie Brüder zusammen.
Am 10. November 1943 schreibt er kurz vor der Hinrichtung an seine Eltern:
„Wenn Ihr diesen Brief in den Händen haltet,
weile ich nicht mehr unter den Lebenden! […]
Heute ist die große Heimkehr ins Vaterhaus,
und da sollte ich nicht froh und voller Spannung sein? […]
Ich umfange Euch alle noch einmal mit einem innigen Kuß der Liebe.
Auf Wiedersehen oben beim Vater des Lichtes!
Euer glücklicher Hermann“.
Diesen Brief bezeichnete Thomas Mann später als das schönste Zeugnis für die Gabe christkatholischen Glaubens.
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Eduard Müller
verbrachte eine harte Jugend in Neumünster, wo er 1911 geboren wurde. Der Vater hatte die Familie mit sieben Kindern früh verlassen, die Mutter schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Nach der Schulzeit absolvierte Müller eine Tischlerlehre und holte später das Abitur nach. 1940 weihte ihn Bischof Berning in Osnabrück zum Priester und schickte ihn als Hilfsgeistlichen nach Lübeck. Seine stille, liebenswerte und ziemlich unautoritäre Art und besonders sein Einfühlungsvermögen bei den einfachen Leuten wurden hoch geschätzt. Müllers Hilfsbereitschaft auch bei handwerklichen Reparaturen war sprichwörtlich. Nach der Sonntagsmesse machte der Naturliebhaber mit den Jugendlichen oft Ausflüge, bewusst als Konkurrenz zu den Veranstaltungen der Hitlerjugend. Diese hätte ihn gerne zu sich herübergezogen.
Bei den Gesprächen im Gesellenhaus ging es auch um die Zustände im Dritten Reich, um die Berichte über Massenmorde an der Zivilbevölkerung im Osten, um Euthanasie und um die Kirchenpolitik des NS-Regimes. Müller hat zwar nicht den politischen Streit gesucht, er war sich aber im Klaren, dass Nationalsozialismus und Christentum unvereinbar waren. Als Letzter der vier Geistlichen wurde er am 22. Juni 1942 festgenommen. Er durfte sich im Gegensatz zu Prassek, Stellbrink und Lange noch Hoffnungen machen, denn formal lag gegen ihn eigentlich wenig vor. Dennoch wurde er wie die anderen zum Tode verurteilt.
Unabhängig von Prassek schrieb er dieselben Worte auf:
„Sit nomen Domini benedictum – Heute wurde ich zum Tode verurteilt.“
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Text: Dipl.-Theol. Sebastian von Melle
Abdruck aus der Unterrichtsmappe ÜBERZEUGT!
Glaubenszeuginnen und Glaubenszeugen des Nordens.
Sonderheft der Reihe „:in Religion“, hg. von Jens Ehebrecht-Zumsande,
Sigrid Kessens, Dr. Martin Lätzel, Aachen, Bergmoser + Höller, 2008, 65-67.
Buchhinweis:
Peter Voswinckel, Geführte Wege.
Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild
Kevelaer, Butzon & Bercker, 2010
Weitere Informationen auf der Seite www.luebecker-maertyrer.de
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Zwei Frauen in Hamburg |
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Erzbischof Dr. Eduard Profittlich
geb. am 11. September 1890
in Birresdorf bei Remage
Am 22. Februar 1942 auf ungekärte Weise
im Gefängnis in Kirow / Sibirien gestorben.
Ältere Gemeindemitglieder der St. Ansgar-Gemeinde/Kl. Michel erinnern sich vielleicht noch an den Polenseelsorger und Kaplan Eduard Profittlich, der einst in ihrer Pfarrei aushalf.
Eduard Profittlich wurde 1890 in Birrensdorf bei Remagen im Rheinland geboren. 1911 trat er in das Priesterseminar in Trier ein und schloss sich nach dem ersten Weltkrieg dem Jesuitenorden an. Er studierte in Maastricht/Holland und in Krakau/Polen, wo er 1924 Magister der Philosophie und Doktor der Theologie wurde.
Von 1927 bis 1930 war er als Polenseelsorger in Hamburg und lebte im Pfarrhaus des Kleinen Michel, wo er die Fastenpredigten hielt und als zusätzlicher Kaplan in der deutschen Gemeinde aushalf.
1930 wurde er nach Estland versetzt, wo er ein Jahr als Pfarrer in Reval (heute Tallinn) tätig war. 1931 wurde er zum Apostolischen Administrator für Estland ernannt und 1936 zum Bischof geweiht mit dem Titel eines Erzbischofs.
1939 wurde zwischen Hitler und Stalin der so genannte Molotow-Ribbentrop-Pakt geschlossen. Danach mussten alle Deutschen Estland verlassen, bevor die Russen es besetzten. Erzbischof Profittlich beschloss, in Estland zu bleiben.
Am 8. Februar 1941 schrieb er in seinem letzten Brief an seine Verwandten:
"Obwohl - menschlich gesprochen - die Zukunft nicht gerade angenehm sein wird, habe ich doch den Entschluss gefasst, hier zu bleiben. Es geziemt sich ja wohl, dass der Hirte bei seiner Herde bleibt und mit ihr Freud' und Leid gemeinsam trägt."
Am 26. Juni 1941 wurde der Erzbischof von den Sowjets verhaftet und nach Sibirien geschickt. Dort wurde er in einem Schauprozess am 21. November 1941 zum Tod durch Erschießen verurteilt. Über seinen Tod gibt es keine zuverlässige Nachricht. Von den Russen wurde später erklärt, er sei am 22. Februar 1942 im Gefängnishospital in der Stadt Kirow im Ural gestorben.
Für Erzbischof Profittlich wurde inzwischen durch die katholische Kirche in Russland der Seligsprechungsprozess eingeleitet.
Buch über Erzbischof Dr. Eduard Profittlich
im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek:
Titel: Erzbischof Eduard Profittlich und die katholische Kirche in Estland 1930 - 1942 / Lambert Klinke. Mit einem Geleitw. von Erwin Josef Ender
Verfasser: Klinke, Lambert
Verleger:Ulm : Hess
Erscheinungsjahr:c 2000
Umfang/Format: 228 S. : Ill. ; 20 cm
Gesamttitel: Texte zum Ost-West-Dialog ; 16
Hochschulschrift:Zugl.: Gießen, Univ., Magisterarbeit, 1999
ISBN: 3-87336-026-8
Link zum Eintrag bei wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Profittlich
Link zum Beitrag:
Eduard Profittlich, ein Bekennerbischof aus Birresdorf von Ottmar Prothmann
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1992/hjb1992.16.htm
Link zum Beitrag über die Katholische Kirche in Estland
http://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Kirche_in_Estland
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Pfarrer Dr.Dr. Bernhard Schwentner
geb.: 28.9.1892 in Schwerin
Gestorben: am 30.10.1944
in Brandenburg um 12:30 Uhr.
Am 28.09.1891 wurde er in Schwerin geboren, ging dort zur kath. Volksschule und legte das Abitur am städtischen Gymnasium ab. In Münster studierte er kath. Theologie und wurde am 07.03.1914 am Osnabrücker Dom zum Priester geweiht. Seine erste Stelle trat er als Vikar an der St.-Marienkirche in Hamburg - St. Georg an. Im ersten Weltkrieg war er als Militärgeistlicher unter den Soldaten an der Front.
Nach dem ersten Weltkrieg kam er dann als Vikar an unsere St. Ansgar-Kirche ("Kleiner Michel"). In dieser Zeit promovierte er in kath. Theologie an der Universität Münster. Vom Bischof wurde er wegen seiner wissenschaft-lichen Interessen an die Päpstlicher Universität Gregoriana nach Rom geschickt, um dort den Doktortitel zu erwerben (1920). Für 7 Jahre diente er dann der Gemeinde Friedrichstadt (heute Pfr. Husum) in Schleswig-Holstein.
Zum 30.03.1927 ernannte ihn der Bischof zum Pfarrer von Neustrelitz. Die Gemeinde war damals territorial bedeutend größer als heute, wobei es erheblich weniger Katholiken im Lande gab. In Neustrelitz gehörte er wegen seiner Rechtschaffenheit und Gradlinigkeit zu den geachteten und angesehenen Bewohnern der Stadt. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer sorgte er sich besonders um die Soldaten und Offiziere der recht großen Neustrelitzer Garnison. Im Auftrag des Osnabrücker Bischofs trug er für ganz Mecklenburg als Dechant auch Verantwortung über die Pfarrgrenzen hinaus.
Den Nazis war er ein "Dorn im Auge". Ein von der Gestapo bestellter Spitzel kam unter dem Vorwand eines seelsorglichen Problems zu Pfarrer Schwentner. Die von ihm gegebenen Antworten waren nicht staatsfeindlich - dennoch wurde er am 21.10.1943 verhaftet und verbrachte die ersten Monate im Gefängnis Alt-Strelitz (bis zum 08.05.1944). Es hat ihn am meisten belastet, dass er völlig der Willkür ausgesetzt war und keinerlei Mittel zu seiner eigenen Verteidigung wirksam werden konnten. Gerade als sehr rechtlich denkender und ausgebildeter Mensch litt er sehr unter dieser Rechtlosigkeit. Zunächst war er deswegen im Gefängnis sehr niedergeschlagen. Beschämend war, dass die ehemaligen Freunde und Bekannten Schwentners unter den Offizieren und Honoratioren der Stadt sich nicht für seine Freilassung einsetzten - er war ein Verfemter, für den sich niemand verwenden wollte. Langsam ergab er sich in dieses bittere Schicksal und gewann Hoffnung und Zuversicht aus dem Glauben zurück. Der Osnabrücker Bischof W. Berning bemühte sich vergeblich, ihn freizubekommen.
Von seinem damaligen Kaplan - Heinrich Kottmann - liegt ein persönliches Tagebuch dieser Zeit vor, das ein plastisches Bild der Ereignisse bietet. Der erste Verhandlungstermin vor dem Volksgerichtshof in Potsdam (20.06.44) mußte vertagt werden, da der Hauptbelastungszeuge nicht erschienen war. Bei der zweiten Verhandlung am 15.09.44 führte der Richter den Vorsitz, der schon zuvor drei kath. Kapläne aus Lübeck und einen evg. Pastor zum Tode verurteilt hatte. Das Todesurteil für Schwentner stand wohl schon vor Prozesseröffnung fest. Obwohl sich der einzige Zeuge (nämlich der Denunziant) in Widersprüche verwickelte, wurden keine Entlastungszeugen gehört. Dieser Prozess war eine Farce - das erkannte Schwentner und verzichtete darum auf das ihm zustehende Schlusswort.
Die Zeit bis zur Hinrichtung war eine schmerzliche Reifungsphase für ihn, die von denen bewundernd registriert wurde, die ihn noch vor dem Tode sprechen durften. Er strahlte Ruhe und Abgeklärtheit aus, die den anderen unfaßbar erschien. Das ungerechte Urteil hat er angenommen in der Nachfolge Jesu Christi, der sogar für die gebetet hatte, die ihm Schmerz und Tod brachten. Bewußt und standhaft hat Dr. Dr. Schwentner den Tod angenommen.
Unmittelbar vor seiner Hinrichtung schrieb er in sein Brevier:
Dr. Bernhard Schwentner
Pfarrer von Neustrelitz
geb.: 28.9.1892 in Schwerin
Gestorben: am 30.10.1944
in Brandenburg um 12:30 Uhr.
Ich sterbe ruhig und gefasst.
Gruß in Christus.
Nach seinem Tode wurde die Urne mit seiner Asche zunächst in Brandenburg beigesetzt, bevor sie vor der kath. Kirche zu Neustrelitz in einem Denkmal ihren Platz fand
Nach Pfarrer Dr. Bernhard Schwentner heißt der "Schwentner-Ring" in Hamburg-Wilhelmsburg (Kirchdorf), wo ihn ein Hinweis am als "Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus" bezeichnet.
Bernhard Schwentner ist einer der Menschen, der sich der Diktatur der Nazis nicht beugte und aus dem Glauben an Jesus Christus Kraft schöpfte für den Weg durch das Leben - auch wenn es mit einem ungerechten Tode endet. Für die kleine kath. Gemeinde Neustrelitz ist das Beispiel standhaften Glaubens ihres hingerichteten Pfarrers Vorbild und Quelle der Kraft gewesen, als eine weitere Diktatur die Gewissensfreiheit einschränkte und die Kirche bekämpfte.
Im Gefängnis verfasste er dieses Gedicht:
In dem Dunkel meiner Zelle
flehe ich zu Gott empor:
gebe meiner Seele Helle,
sende deiner Engel Chor!
Sie mögen mich geleiten
an deinen heilgen Thron,
nicht weichen von der Seiten,
bis ich dort oben wohn!
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Dort aber, wo kein Dunkel
und jede Nacht vorbei,
wo helles Sterngefunkel
sing ewge Melodei:
Vom ewgen Licht und Frieden,
von ewger Herrlichkeit,
vom ewgen Ruh'n der Müden
nach Erdenleid und Streit. |
Bücher von Dr. Dr. Bernhard Schwentner
im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek:
Titel: Das Zweikampfdelikt im kanonischen Recht : Eine rechtshist. u. rechtsdogm. Studie m. Einschl. d. CJC
Verfasser: Schwentner, Bernhard
Verleger: Hamburg
Erscheinungsjahr: 1922
Umfang/Format: 2 Bl. ; 8
Anmerkungen: Ausz. - Vollst. Ex. Maschinenschr. XIV, 190 gez. Bl. 4
Hochschulschrift: Münster, Kath.-theol. Diss., 1918
Titel: Die Rechtslage der katholischen Kirche in den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck : Zugleich e. Zsstellg der d. kath. Kirche in d. 3 Hansestädten betr. staatl. u. kirchl. Gesetze u. Verordngn / Bernhard Schwentner
Verfasser: Schwentner, Bernhard
Verleger: Hamburg [, Repsoldstr. 60] : A. Lettenbauer
Erscheinungsjahr: 1931
Umfang/Format: XI, 154 S. ; gr. 8
Einband/Preis: Lw. : 4.50
Link zum Eintrag bei wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Schwentner
Link zur Katholischen Gemeinde Neustrehlitz
http://www.eba-schwerin.de/Dekanate/Neubrandenburg/neustrel.htm
Link zur Katholischen Gemeinde St. Anna in Schwerin
http://www.st-anna-schwerin.de/html/schwentner.html
Link zur Unitas Ruhrania, Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
http://www.unitas-ruhrania.org/seite18.htm
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Dr. Ruth Kantorowicz
wurde am 7. Januar 1901 als Jüdin in Hamburg geboren. Edith Stein, die in Hamburg Verwandte hatte, kannte sie schon als dreijähriges Mädchen.
Ruth Kantorowicz studierte Volkswirtschaft und konvertierte am 8. September 1934 zum katholischen Glauben. Auf diese Mitteilung hin schrieb ihr Edith Stein – Schwester Benedicta a Cruce- aus dem Kölner Karmel am 4. Oktober 1934:
Vor allem möchte ich Ihnen sagen:
legen Sie alle Zukunftssorgen vertrauensvoll in Gottes Hand
und lassen Sie sich von Ihm ganz wie ein Kind leiten.
Dann sind Sie sicher, dass Sie den Weg nicht verfehlen können.
Wie der Herr Sie in Seine Kirche geholt hat,
so wird Er Sie auch auf den Platz darin führen,
an dem Er Sie haben will.
Wegen der nationalsozialistischen Rassegesetze konnte Ruth Kantorowicz trotz ihrer Promotion nicht in ihrem Beruf arbeiten.
Zunächst war sie als Bibliothekarin in Hamburg tätig. Später begleitete sie Edith Stein in das Exil nach Holland und schrieb für sie viele Briefe, Artikel und Abhandlungen.
Zusammen mit Edith Stein und deren Schwester und vielen weiteren Gefährtinnen und Gefährten wurde sie dort von der Gestapo verhaftet und am 9. August 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
Die geistliche Botschaft dieser Menschen, Opfer von Terror und Gewalt, möge uns in der heutigen Zeit Weggeleit geben.
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Dr. Edith Stein
Geboren wurde sie am 12. Oktober 1891 in Breslau als jüngstes von elf Kindern. Ihre Geburt fiel auf den Jom Kippur, den Tag des großen judischen Versöhnungsfestes, der durch Fasten, Beten und Sühne fürdie Sünden ausgezeichnet ist. Ihre Mutter war eine gläubige Jüdin und legte Wert Vorschriften in ihrem haus genau befolgt wurden. Weil der Vater bereits starb, als Edith erst eindreiviertel Jahre alt war und die Mutter daraufhin erfolgreich das Geschäft mit dem Holzhandel übernahm, lag die eigentliche Erziehung der beiden jüngsten Töchter hauptsächlich in der Hand der ältesten, Else, die Pädagogik studierte, um Lehrerin zu werden, und mit geradezu mütterlicher Liebe ihre beiden Schwestern versorgte. Else heiratete dann den Hautarzt Dr. Max Gordon und verzog nach Hamburg.
Mitten während der Schulzeit geschah nun etwas Überraschendes mit Edith.
Sie, die bisher immer Zweitbeste in ihrer klasse war, hatte plötzlich keine Lust mehr, in die Schule zu gehen. Das war Ostern 1906. Die Großzügigkeit und Weite der Mutter, die den entschiedenen Widerstand der Tochter nicht brach, sondern respektierte und nach einem neuen Weg suchte, schickte sie nach Hamburg zu ihrer Schwester, die bereits Mutter von drei Kindern war. Zunächst suchte Edith bei ihrer Schwester nur einige Wochen Luftveränderung. Aber der Aufenthalt dehnte sich aus. Aus den wenigen Wochen wurden zehn Monate. Edith half tüchtig im Haushalt mit verstand es gut, mit den Kindern umzugehen.
Da die Familie Gordon in Jahre 1906 ihre Wohnung wechselte, wissen wir nicht genau, in welcher von beiden Edith Stein in Hamburg gewohnt hat. Jedenfall waren beide in Eppendorf. Der Hautarzt Dr. Max Gordon hatte seine Praxis in unserem Gemeindegebiet, in der Wexstraße 18.
Aber es ist für sie auch die Zeit einer großen religiösen Krise. In dieser Zeit, als Vierzehnjährige, verlor sie ihren Glauben an Gott und hörte auf zu betten. Später schreibt sie davon:
„ Die Zeit in Hamburg kommt mir, wenn ich jetzt darauf zurückblicke, wie eine Art Puppenstadium vor. Ich war auf einen sehr engen Kreis ein geschränkt und lebte noch viel ausschließlicher in meiner inneren Welt als zu Hause. Soviel die häusliche Arbeit es erlaubte, las ich. Ich hörte und las auch manches, was mir nicht gut tat. Durch das Spezialfach meines Schwagers (Hautarzt) kamen manche Bücher ins Haus, die nicht gerade für ein Mädchen mit 14 Jahren berechnet waren. Außerdem waren Max und Else völlig ungläubig. Religion gab es in diesem Haus überhaupt nicht. Hier habe ich mir auch das Besten ganz bewusst und aus freiem Entschluß abgewöhnt. Über meine Zukunft dachte ich nicht nach, aber ich lebte weiter in der Überzeugung, dass mir etwas Großes bestimmt sei.“
Nach dem Aufenthalt in Hamburg kehrte Edith Stein nach Breslau zurück, ging dort auch wieder zur Schule und machte ein glänzendes Abitur. Bis zu ihrem 21. Lebensjahr nannte sie sich eine Atheistin. Sie wollte ehrlich sein vor sich selbst. Diese Wahrhaftig sollte sie ihr ganzes Leben begleiten und ihr Gott schenken, mit dessen Existenz sie nicht mehr gerechnet hatte. Im Rückblick auf jene Jahre schrieb sie später einmal: ,,Meine Suche nach der Wahrheit war einziges Gebet." — Ein großartiges Wort des Trostes für alle die sich mit dem Glauben schwertun
So könnte" die hl. Edith Stein eine himmlische Fürbitterin sein für alle Jugendlichen, die in den Pubertätszeit in Glaubenskrisen geraten, und in diesem Sinne auch von besorgten Eltern angerufen werden.
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